JACQUELINE BOYER


Jacqueline Boyer…

...begann ihre Karriere 1960, genauer gesagt am 29. März, am Tag als sie in London am Grand prix Eurovision de la Chanson teilnahm. Mit der Startnummer 13 ging sie als letzte Interpretin ins Rennen. Ihr Titel «Tom Pillibi», geschrieben von André Popp und Pierre Cour, wurde von den Internationalen-Jury mit 53 Punkten gewertet und landete vor dem britischen Wettbewerbstitel auf Platz 1. Frankreich erhielt zum zweiten Mal die Siegertrophäe und hatte mit Jacqueline Boyer einen weiteren Exportartikel in Sachen Chanson und Schlager.

Jacqueline Boyer ist das Kind berühmter Eltern. Ihre Mutter, die legendäre Chanson-Sängerin Lucienne Boyer, die mit ihrer unvergleichlichen Interpretation von «Parlez-moi d'amour» zu Weltruhm gelang. Auch ihr Vater Jacques Pills ein bekannter Sänger und Komponist. Nach seiner Scheidung heiratete er, den Spatz von Paris, Edith Piaf, die Jacquelines Stiefmutter wurde. Bei so viel Musik in der Familie war Ihr das Talent in die Wiege gelegt worden.



Bereits in jungen Jahren trat Jacqueline im Kabarett ihrer Mutter, am Montmartre in Paris und im Théâtre de l'Etoile mit Marlene Dietrich auf. Die zierliche Französin mit ihrer zarten klaren Stimme begeisterte sofort und zog ihre Zuhörer in ihren Bann.

Eines Tages kam Bruno Coquatrix, der Direktor vom berühmten Olympia, der von ihr und ihrer Stimme völlig überwältigt war und brachte Jacqueline zunächst zum Rundfunk und später zu einer Plattenfirma, welche 1959 Jacqueline's erste Single, mit dem Titel «Para ti» veröffentlichte.

Das Lied «Tom Pillibi» feiert grossen Triumph. In fast allen europäischen Ländern, selbst in Grossbritannien, konnte sich die bisher nur in Frankreich bekannte Sängerin mit ihrem Siegertitel in den Hitlisten platzieren. «Tom Pillibi» sollte sie von diesem Tag an, für immer begleiten.



Trotz ihrer berühmten Mutter, machte sich Jacqueline einen eigenen Namen und war über Nacht in ganz Europa berühmt. Mit dem Lied «Comme au premier jour», einem gefühlvollen Liebeslied, sicherte sie sich im selben Jahr, bei einem anderen Ausscheidungs- Wettbewerb den Coq d'or de la chanson Français.


Während in Deutschland immer noch «Tom Pillibi» in den Hitparaden vertreten war, kletterte gänzlich unerwartet auch die B-Seite der Single «Grüss mir die Liebe» in die Charts. Damit war klar, dass Jacqueline weiterhin in Deutsch singen würde.

 


Im November 1960 heiratete Jacqueline den Sänger Francois Lubiana. Die Flitterwochen jedoch musste das junge Paar zunächst verschieben, denn Jacqueline war für den Rest des Jahres mit Charles Aznavour im I' ALHAMBRA in Paris ausgebucht.



Bald darauf, im Jahre 1962, bekam Jacqueline eine Tochter. Nach der Babypause fand Jacqueline in Frankreich sofort wieder Anschluss und konnte sich 1963 als Musical-Darstellerin in «Le mystère de Paris - Eugène le mystérieux» profilieren. Für das Publikum in Deutschland nahm sie im selben Jahr den Titel «Mitsou» auf.

 Nach einem Auftritt in «Musik aus Studio B» am 27. Mai 1963 erfolgte ein Ansturm auf die Plattenläden. Zehn Tage später am 8. Juni 1963 wurde das Lied zum ersten Mal in der Hitparade notiert.


 

 «Mitsou» brachte Jacqueline Boyer endlich den grossen Durchbruch und zeigte, dass die kleine Französin durchaus das nötige Flair hatte, den Schlagertraum von Kirschblüten und Laternenfest zu einem Erfolg zu bringen.

Der Titel «Mitsou» konnte sich fast 9 Monate in den Charts halten, davon 15 Wochen in den Top-Ten. Einen solchen Erfolg hatte niemand erwartet, der war und ist selbst für ganz grosse Künstler eine Seltenheit und Jacqueline Boyer war erneut überall gefragt.

Jacqueline singt im ersten Teil der Charles Aznavour Shows.



Sie reist in die Vereinigten Staaten und wird dort für verschiedene Fernsehshows bei Pat Boone, Perry Como oder Ed Sullivan engagiert. Zurück in Frankreich, geht sie mit Jacques Brel und Georges Brassens auf Tournee und in Deutschland singt sie in Stuttgart vor 500'000 Personen für die Wahlfestlichkeiten des Bundeskanzlers Willy Brandt.

In der Jahresbilanz von 1965 wird Jacqueline auf Rang 5 der erfolgreichsten Sängerinnen notiert. Doch nach «Mitsou» konnte keines der nächsten Liedern, mehr an den Erfolg vom «Mitsou» anknüpfen.

 

 Auch sonst meinte es das Schicksal nicht gut mit ihr. Bei einem Autounfall 1966 wurde Jacqueline schwer verletzt und verlor durch den Schock ihr Gedächtnis.

Nach Monaten konnte Jacqueline sich langsam wieder an ihr Dasein erinnern. Das Unglück hinterliess tiefe Spuren in ihrem Leben. Ihre Ehe zerbrach und Jacqueline zog sich für eine Weile aus der Öffentlichkeit zurück.



Heinz Gietz, ihr damaliger Produzent, nahm sie 1968 für sein neu gegründetes Label 'Cornet' unter Vertrag und verhalf ihr 1969 mit Titeln wie «Mucho Amore» zu weiteren Chart-Erfolgen und Jacqueline hatte wieder einen Top-Ten-Hit.

Heute blickt Jacqueline auf eine erfolgreiche und abenteuerliche Karriere zurück, die sich über Jahrzehnte hielt und viele Turbulenzen überstand.



Jacqueline singt nun Lieder, die ihrem Können und ihrer Stimme mehr entsprechen und voll zur Geltung bringen.

Auch heute, nach so vielen Jahren, begeistert Jacqueline immer noch ein grosses Publikum und Fan-Gemeinde!